Luxushunde? Wie teuer ist barfen? Ein Einkaufs-Experiment

„Barfen ist viel zu teuer und nur was für abgehobene Hundebesitzer, die jedem Trend hinterherlaufen müssen.“
„Der einzige, der vom teuren Frischfutter profitiert sind die Barfshops und Online Händler.“

Ein häufig angeführtes Gegenargument, wenn es ums Barfen geht ist, dass es wahnsinnig teuer ist.
Lustigerweise dienen die Kosten vielen überzeugten Barfern gleichzeitig als Pro Barf Argument, weil sie der Meinung sind, dass Barf deutlich günstiger ist als (hochwertiges) Fertigfutter.

Aber was ist denn nun richtig? Ist barfen wirklich so teuer? Oder die günstigste Art, seinen Hund zu ernähren?

Ok, die günstigste Variante ist es ganz sicher nicht. Wer seinen Hund mit Resten vom Tisch oder günstigem Trockenfutter aus dem Supermarkt oder Discounter ernährt, kommt ganz sicher deutlich günstiger weg als mit frischem Fleisch. Wer sich über die ausgewogene Fütterung seines Hundes informiert, hat aber sicherlich schon festgestellt das zwischen den günstigen Trockenfuttersäcken vom Discounter und den hochwertigen Nassfutterdosen etablierter Hersteller ganze Welten liegen, wenn es um die Preisgestaltung geht.

Die artgerechte Fütterung unserer Hunde ist in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus gerückt. Die Auswahl und Qualität des Futters steigert. Ebenso wie der Preis. Gutes Hundefutter ist (leider) teuer.

Aber ist Barfen noch teurer? Oder wirklich günstiger?

Wie teuer ist Barfen? Der Einkaufscheck

Ich selbst hatte mir tatsächlich bisher noch nicht ausgerechnet, ob das Barf für Yuna teurer ist als ihr vorheriges Futter. Und falls ja wie groß der Unterschied ist. Ich hatte einen ganz groben Überblick und da das Futter mich nicht arm gemacht hat, habe ich es mir nie genau ausgerechnet. Ich habe den Tiefkühler einfach immer bei Bedarf aufgefüllt. Da ich die einzelnen Futterkomponenen aus verschiedenen Quellen beziehe habe ich mal hier und mal da was gekauft und immer nur fehlende Komponenten aufgefüllt. Also nie wirklich einmal komplett für einen ganzen Monat gekauft.

Dalamatiner mit erhobenem Blick - Text: Einkaufsexperiment - wie teuer ist barfenMit Simbas Einzug ist das Futter natürlich um einiges teurer geworden, weil die Mengen sich mal eben mehr als verdoppelt haben. Für beide Hunde kommt dann doch einiges mehr zusammen und der Preis des gefüllten Warenkorbs hat mich jetzt ein paar Mal doch schockiert. Dazu kam, dass die Frage danach, wie teuer das Barfen denn jetzt wirklich ist, in letzter Zeit immer wieder mal aufkam. Und ich konnte einfach keine Antwort darauf geben. Auf Dauer kann ich das schlecht aushalten und meine Neugier hat dann doch gewonnen 😉

Deshalb habe ich mir jetzt einmal die Mühe gemacht und einen Kompletteinkauf für 4 Wochen simuliert. Was ich für 4 Wochen benötige, welche Produkte ich nutze und wie teuer diese sind zeige ich dir detailliert in diesem Artikel.

Ausgangslage: Die Futtermengen

Wie teuer das Barfen für dich ist kommt natürlich darauf an, wie groß dein Hund ist, bzw. wie viele Hunde du hast und wie viel Futter du insgesamt brauchst.
Wenn du ganz neu im Thema bist empfehle ich dir diesen Artikel zur Zusammenstellung von Barf. Darin findest du die generelle Aufteilung. Für die grobe Berechnung der Futtermengen kannst du bei einem erwachsenen Hund mit 2-3% des Körpergewichtes ausgehen.
Yuna wiegt 12,5kg und bekommt 2,4%, also 300g Futter täglich.
Simba wiegt 14,5kg und benötigt knapp über 3%. Das sind bei ihm 450g Futter am Tag.

Insgesamt verbrauchen wir hier also 750g Futter täglich, knapp 5,2kg pro Woche und ganze 21kg im Monat… Schon eine ordentliche Menge…

Yuna darf wegen einer Erkrankung keinen Pansen mehr fressen, weshalb er auch bei Simba aus dem Futterplan gestrichen ist. Die Pansenmenge ersetze ich deshalb mit Muskelfleisch und Obst und Gemüse. Etwa 3/4 Muskelfleisch und 1/3 Obst und Gemüse. Wenn du Pansen oder Blättermagen fütterst wirst du etwas günstiger wegkommen, da Muskelfleisch teurer ist als Pansen. Insgesamt macht es aber keinen riesigen Unterschied.

Teil 1: Der Einkauf im Barf Shop

Ich bestelle den größten Teil des Futters online bei Haustierkost*.
Haustierkost liefert, wie die meisten Online Barf Shops, das Futter gefroren in Thermoboxen. Bei Haustierkost ist die Lieferung ab 19€ versandkostenfrei. Dann trägt allerdings der Käufer das Versandrisiko. Wenn das Paket also beispielsweise länger unterwegs ist und die Sachen aufgetaut ankommen. Ich investiere sicherheitshalber pro Bestellung zusätzlich 5€ in Expressversand um sicherzugehen, das mein Paket am nächsten Tag da ist. Dabei kann ich dann sogar Samstagsversand auswählen.

Manchmal habe ich das Glück und bekomme über Kontakte Wildfleisch. Das Fleisch das ich direkt beziehe ist günstiger – aber eben nicht immer verfügbar wenn ich es brauche.

Übersicht Warenkorb Haustierkost

Screenshot Warenkorb von Haustierkost

 

Der Einkaufskorb enthält
7x Rindermuskelfleischwürfel* (500g)
4x Wildfleischwürfel* (500g)
2x Bio Hühnerfett* (500g)
2x Wildlachsfilet in Stücken* (1kg)
1x Hühnerhälse gewolft* (500g)
1x Hühnerhälse im Ganzen* (1kg)
10x Rinderinnereien Mix* (250g)
2x Rinderblut* (250g)

13kg Futter für 75,82€.
Vom Wildlachsfilet brauche ich in einem Monat nur knapp 1250g. Rein rechnerisch habe ich dann Lachs im Wert von 4,48€ übrig.
Die Ausgaben bei Haustierkost für einen Monat liegen also bei 71,34€

Falls du das Futter für deinen Hund bei Haustierkost bestellen möchtest, bekommst du über diesen Link 5% Rabatt auf deine erste Bestellung. Ich bekomme für meine Empfehlung einen Gutschein 10€ Gutschein für meine nächste Bestellung. Unabhängig davon, ob das Barfen teuer ist oder nicht, sparen ist doch immer nicht schlecht oder? Falls du nach einemGutscheincode gefragt wirst gib „RAF-ALAE“ ein.

Hier gehts zum Online Shop von Haustierkost

Teil 2: Supermarkt und lokaler Barfshop

Da das Hühnerfleisch bei Haustierkost ähnlich teuer ist wie im lokalen Supermarkt kaufe ich dieses in der Regel vor Ort. So spare ich etwas Platz im Gefrierschrank 😉
Ich brauche 3,1kg Huhn. Hier vor Ort bezahle ich dafür ungefähr 21€.

Dazu kommt – dank Allergikerhund mit Bauchspeicheldrüsenproblemen – gewolfte Wildrippe. Die gibt es Gott sei Dank in unserem Barf Shop vor Ort von Paul und Paulina. 1kg kostet da leider mal eben 6,20€

Für Huhn und die gewolfte Wildrippe kommen also nochmal 27,20€ dazu.

Wenn ich Wildfleisch aus meiner Quelle vor Ort bekomme zahle ich für 2kg nur 6€ statt 13,92€ bei Haustierkost. Solche Quellen können also einen riesigen Unterschied machen. Falls du einen kleinen Metzger, einen Hof oder eine Fleischerei in der Nähe hast lohnt es sich also auf jeden Fall dort mal  nachzufragen.

Teil 3: Der Obst und Gemüse Anteil

Leider habe ich seit meinem Umzug keinen Wochenmarkt mehr in der Nähe bei dem ich einkaufen kann, weshalb das Obst und Gemüse aktuell aus dem Supermarkt kommt. Im Sommer kommt ein Teil der Obst und Gemüse Ration aus dem eigenen Garten.

Beim Obst und Gemüse gibt es viele Faktoren, die beeinflussen, wie teuer dieser Teil des Futters ist.
Wohnst du auf dem Land und hast günstige Hofläden in der Nähe? Hast du selbst einen Garten in dem du Obst und Gemüse anbaust? Hast du in der Stadt einen Wochenmarktstand, der dir nicht so schönes Gemüse für den Hund mitgibt? Öffentlich nutzbare Obstbäume und Beerensträucher? Isst du selbst viel Obst und Gemüse und hast du entsprechend viele Reste?

Schüssel mit kleingeschnittenem Obst und Gemüse

Mitten in Hamburg habe ich leider wenig Möglickeiten an günstiges Gemüse zu kommen. Je nach Jahreszeit würde ich mal im Durchschnitt einen Kilopreis von 3€ für die Berechnung ansetzen. Bei 5,3kg Obst und Gemüse sind das knapp 16€.

Teil 4: Zusätze

Bei den Zusätzen musste ich tatsächlich überlegen. Bei mir machen diese wirklich nur einen verschwinden geringen Anteil der Kosten aus. Lustig, da gerade diese Zusätze immer wieder speziell betont werden, wenn das Argument „Barfen ist viel zu teuer“ angeführt wird.

Allerdings muss man dabei wohl auch bedenken, das man, wenn man ausgewogen barft und das Futter ausgewogen zusammenstellt diverse Pülverchen, Mineralienmixe und Komplettmischungen eben gar nicht braucht.

Wenn du das Futter für deinen Hund ausgewogen zusammenstellst benötigst du lediglich Öl und Seealgenmehl.

Ich nutze das Seealgenmehl von Lunderland*. 400g für 11,55€. Das klingt nur solange teuer, bis man weiß wie viel Hund davon benötigt. Yuna beispielsweise 2,3g – in der Woche! Simba 2,5g.
Selbst wenn ich dauernd noch etwas verschütte brauche ich aus der 400 Gramm Dose gerade mal 5g pro Woche.  Die Dose dürfte also locker 80 Wochen halten. Im Monat entsehen damit Kosten von knapp 0,57€ im Monat.

Yuna und Simba bekommt Lachsölkapseln statt Lachsöl bzw. 369 Öl. Aktuell haben wir die Kapseln von Budnikoswski- der Hamburger Alternative zu DM, Rossmann und was es sonst noch alles gibt. 60 Kapseln kosten 2,45€. Wir brauchen 40 Kapseln im Monat. Kostenpunkt 1,63€.
Außerdem gibt es zweimal pro Woche einen Teelöffel Kokosöl, Kostenpunkt wahrscheinlich 0,50€ oder weniger, so ein Glas hält ewig.
Übrigens: Wie du für deinen Hund die richtige Menge Kapseln berechnest, erkläre ich dir im Artikel „Lachsölkapseln statt Öl beim Barfen

Eine Packung Salat Nussmix von Aldi 1,99€.

Insgesamt entstehen durch die Zusätze also Kosten von etwa 5€ für 4 Wochen.

Teuer ist anders würde ich sagen.

Fazit: So teuer ist unser Barf

geneigter Hundekopf Text: Wie teuer ist barfen?OK, das war jetzt ziemlich viel Text für ein bisschen rechnen…

Damit es etwas übersichtlicher wird hier nochmal die blanken Zahlen:

Tierischer Anteil: 98,54€
Pflanzlicher Anteil: 16€
Zusätze: 5€
Gesamt: 119,54€

Das Futter für 2 Hunde mit zusammen 27kg Körpergewicht kostet mich im Monat also knapp 120€.
Natürlich schwankt das immer etwas, abhängig davon was für Fleisch und Gemüse ich kaufe. Bekomme ich Fleisch im Angebot oder über Kontakte verringern sich die Kosten gleich enorm.

Ist Barfen teurer als Fertigfutter?

Lass uns zur Ursprungsfrage zurückkommen.
Das Barfen nicht die billigste Fütterungsvariante ist sollte jetzt klar sein – aber wie schneidet es im Vergleich zu Fertigfutter ab?

Bevor ich Yuna gebarft habe, gab es hier hochwertiges Trockenfutter mit hohem Fleischgehalt. 10kg für knapp 45€, also 4,50€ pro kg. Laut Website bräuchten meine beiden Hunde davon 380g/Tag. In 4 Wochen käme ich so auf Kosten von knapp 48€ – und damit deutlich weniger als das Barf.

Beim Nassfutter des gleichen Hersteller käme ich auf knapp 90€. Bei Marken wie Herrmanns oder Granatapet lande ich bei 100-120€.
Das kommt den Kosten des Barfens schon sehr nah.
Ich muss gestehen das ich mich lange nicht mit Fertigfutter beschäftigt habe und deshalb keine Ahnung mehr habe welches Futter gut ist und wie die Preise dafür aussehen. Ich bin mir sicher das ich mit ein wenig Recherche auch Nassfutter finden kann, mit dem ich im Monat bei deutlich mehr als 120€ landen würde.

Meine Meinung:
Ist Barfen teuer?

Die Antwort auf die Frage ist von mir ein klares Jein 😉

Natürlich geht es günstiger – auch ohne den Hund damit zu vergiften. Bei wem es also finanziell gerade sehr eng ist, bei dem kann es Sinn machen (vorerst) aufs Barfen zu verzichten und günstigere Fütterungsmethoden zu bevorzugen.

Barfen ist allerdings nicht viel teurer als hochwertiges Nassfutter.
Wenn du günstige Quellen für Fleisch hast dürfte Barfen dann sogar günstiger sein.
Ebenso gibt es Fertigdosen, die um einiges teurer sind als das Barfen.

Ob Barf für dich und deinen Hund teurer oder günstiger ist als die bisherige Fütterung, hängt sehr davon ab, was dein Hund bisher bekommen hat und welche Quellen du für den Fleischeinkauf hast.
Wenn du bereits einen Futterplan für deinen Hund hast, kannst du ja auch einfach mal einen Monatseinkauf planen um einen Überblick zu bekommen. So kannst du dir im Vorfeld anschauen, wieviel dich das Barfen kosten würde und ob es für dich teurer oder günstiger wird als deine bisherige Fütterung.

Wenn du noch keinen Futterplan für deinen Hund hast kannst du dir in dieser Artikelserie anschauen, wie du den Bedarf deines Hundes berechnest  und einen eigenen Plan erstellst.

Artikelserie: In 4 Schritten zum individuellen Futterplan

Viel Spaß beim weiterlesen.

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