Kleine Hunde barfen – warum nicht?

Wenn es ums Thema Barfen geht, sind viele Kleinhundebesitzer verunsichert.
Es steht die Frage im Raum, ob man kleine Hunde auch barfen kann.
Meine Gegenfrage: Warum sollte es nicht möglich sein?

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Kleine Hunde barfen – ein Appell an Kleinhundebesitzer

Für mich gibt es keinen ersichtlichen Grund, weshalb es nicht möglich sein sollte, kleine Hunde zu barfen. Sie sind genauso wie ihre großen Kollegen Semi-Carnivore, verfügen über Zähne und das enstprechende Magen-Darm System um rohes Fleisch zu verdauen.

Ich glaube ein häufiger Grund, weshalb die Idee kleine Hunde zu barfen belächelt wird ist der, dass die meisten Menschen das Bild eines großen Stückes Fleisch oder eines Mammutknochens im Kopf haben wenn sie an das Barfen denken.
Wenn du dich schon mit dem Thema Barf auseinandergesetzt hast, weißt du bereits, dass Hunde beim Barfen etwa 2-3% ihres Körpergewichtes täglich an Futter bekommen. Falls nicht und du mehr über die Aufteilung beim Barfen wissen möchtest, findest du hier die Infos zur Futterzusammenstellung.

Aber zurück zu den Kleinhunden. Auch wenn sie so klein und süß sind, es sind und bleiben Hunde. Mit den gleichen Bedürfnissen wie große Hunde. Mit dem gleichen Magen-Darm Trakt und dem gleichen Recht auf ein bedürfnisgerechtes und gesundes Leben.

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Kleine Hunde barfen – gibt es Besonderheiten?

In den Barf Gruppen, in denen ich aktiv bin, kommt immer mal wieder die Frage auf, ob man beim Barfen kleiner Hunde etwas spezielles beachten muss und ob sich das Barfen kleiner Hunde irgendwie vom „normalen Barfen“ unterscheidet.

Generell kannst du einen kleinen Hund genauso Barfen wie einen großen Hund. Die benötigten Komponenten sind die gleichen. Die Futterzusammenstellung ist die gleiche. Die einzige Besonderheit beim Barfen von kleinen Hunden ist die, dass die meisten kleinen Hunde prozentual etwas mehr Futter benötigen. Während für sehr große Hunde oft eine Futtermenge von 2% des Körpergewichtes ausreicht, reicht dieser Prozentsatz für kleine Hunde häufig nicht. Generell kann man sagen, dass Hunde mit sinkendem Gewicht prozentual mehr Futter benötigen. Yuna mit ihren 12,5 kg bekommt beispielsweise 2,5% ihres Körpergewichtes an Futter. Sehr kleine Hunde benötigen häufig sogar 3%. Der Grund hierfür ist der, dass kleine Hunde in der Regel einen schnelleren Stoffwechsel haben als große, schwere Rassen. Entsprechend wird mehr Futter verwertet und der Grundbedarf steigt.

Kleine Hunde barfen – Vorteile der Kleinhundebesitzer

Wenn du einen kleinen Hund barfen willst, fallen mir vor allem zwei Vorteile ein.

Zum einen ist das Barfen kleiner Hunde günstiger als bei großen Hunden, da du natürlich sehr viel weniger Futter benötigst.
Für einen 5 kg Hund, der mit 3% gefüttert wird, benötigst du täglich 150 Gramm Futter. Das sind 4,5 kg Futter im Monat. Ein Hund mit 20 kg und einer Futtermenge von 2% benötigt dagegen 400 Gramm am Tag und 12 kg im Monat. Ein ziemlicher Kostenunterschied.

Ein weitere Vorteil der geringen Mengen besteht darin, dass du für die kleinen Portionen viel weniger Lagerkapazität benötigst. 4,5 kg Futter im Monat lassen sich möglichweise im bestehenden Gefrierschrank unterbringen. Bei 12 kg Futter wird das schon schwierig.

Selbst Yuna mit ihren gerade mal 12kg ist inzwischen stolze Besitzerin ihres eigenen Gefrierschrankes…

Kleine Hunde barfen – Die Nachteile

Neben diesen Vorteilen gibt es leider auch Nachteile, denen du dich als Besitzer eines kleinen Hundes gegenübersiehst, wenn du deinen Hund barfen möchtest.

Die geringen Mengen, die kleine Hunde benötigen, haben nämlich nicht nur Vorteile. Falls du das Futter nicht beim Metzger vor Ort oder in einem lokalen Barfshop kaufen kannst oder willst, musst du auf Online Shops zurückgreifen. Und dort findest du fast ausschließlich 500 Gramm Portionen – oder mehr. Außerdem gibt es Mindestmengen für die Lieferung. Die Empfehlung bei Tackenberg* ist eine Mindestbestellmenge von 5kg um sicherzustellen, dass das Futter beim Transport nicht auftaut. Haustierkost liefert erst ab 7kg.  Und auch in lokalen Barf Shops habe ich schon das Problem gehabt, dass Vorbestellungen nur ab einer bestimmten Mindestmenge möglich sind. Wobei sich dort die Mengen eher im 100g Bereich bewegen. Du wirst also häufig vor dem Problem stehen, dass du große Mengen Fleisch, Innereien und Knochen kaufen musst, die dann eine gefühlte Ewigkeit reichen.

Lass uns beim Beispiel des 5 kg Hundes bleiben, der 4,5kg Futter im Monat benötigt. Aufgeteilt auf die einzelnen Komponenten wären das 1,8 kg Muskelfleisch,  720g Pansen, 540g rohe fleischige Knochen und 540g Innereien. Von den Innereien 180g Leber, 180g Herz und je 60g Niere, Milz und Lunge. Dazu kommen dann noch 900g Obst und Gemüse.

Neben dem Problem des Zuviel ist ein weiteres Problem, dass du bei den geringen Mengen (und den 500g Paketen) gut planen musst um für genügend Abwechslung beim Barfen zu sorgen.

Knochenfütterung bei kleinen Hunden

Und zum Schluss mein absoluter Hassgegner: Die richtige Menge roher fleischiger Knochen. Es gibt viele Halter kleiner Hunde, die den Kleinen nur gewolfte Knochen oder sogar Knochenmehl als Ersatz füttern. Das ist natürlich eine Möglichkeit. Aber auch kleine Hunde können in der Regel probemlos stückige Knochen fressen und können davon profitieren (Beschäftigung Zahnreinigung, etc.). Das Problem dabei: Du als Futterzubereiter musst die Knochen erst einmal auf die richtige Größe, bzw. Menge kriegen. Kalbsbrustbein auf mickrige 18g täglich zu verkleinern ist kaum möglich.

Du musst deinem Hund natürlich nicht täglich die berechnete Menge Knochen füttern, sondern kannst die benötigte Wochenmenge an RFK auch auf mindestens 3 Tage in der Woche aufteilen. Aber auch bei 3 Tagen sind das gerade einmal Portionen von knapp über 40g.
Yuna musste am Anfang ihre Knochenportionen auf 7 Tage die Woche aufgeteilt bekommen und wir konnten die Ration auch nur langsam steigern, da sie große Mengen Knochen zu Anfang nicht gut vertragen hat. Ich stand also in den ersten Monaten in der Küche und habe die Knochen auf 30 Miniportionen von je 35g verkleinert. Macht keinen Spaß, dauert eine gefühlte Ewigkeit, gibt Schmerzen in der Hand – ist aber möglich. Am Kalbsbrustbein bin ich tatsächlich gescheitert und habe dieses ab dem zweiten Mal gewolft gekauft. Da Yuna es aber nicht verträgt, verzichten wir inzwischen ganz darauf.

Wenn du dich dafür entscheidest, deinem kleinen Hund stückige RFK zu füttern, dann ist es wichtig auf genug Abwechslung zu achten. Immer wieder höre ich von Kleinhundehaltern, dass die Hunde nur Hühnerhälse oder mal einen Hühnerflügel bekommen. Nur Hühnerknochen reichen nicht, um den Calcium Bedarf deines Hundes zu decken. Darüber hinaus stimmt das Calcium-Phosphor Verhältnis der Hühnerknochen nicht mit den empfohlenen Werten überein.
Du solltest also entweder verschiedene stückige Knochen füttern, stückige Knochen mit anderen Sorten gewolfter Knochen mischen oder deinem Hund komplett gewolfte Knochen (auch hier verschiedene Sorten) füttern. Zum Thema stückige Knochen noch ein Tipp von mir: Rippen, z.B. vom Wild oder Lamm lassen sich meist sehr gut zerkleinern.

Kleiner Hund, Baumstamm

Kleine Hunde barfen – so gehts

Kleine Hunde barfen ist also durchaus möglich. Neben den Vorteilen gibt es für uns Hundehalter aber auch klare Nachteile, die du bei der Planung mit einkalkulieren musst.

Beim Barfen der Kleinen ist meiner Meinung nach das Erstellen eines Wochenplans und das Vorportionieren unerlässlich. Ohne Portionieren wird es mit den Kleinstmengen schwierig. Du solltest beim Herstellen der Portionen für deinen Hund abwiegen. Mal ein paar Gramm mehr oder weniger sind kein Problem. Bei den kleinen Mengen Futter die dein Hund bekommt können ein paar Gramm aber eben möglicherweise schon einige Prozent ausmachen. Langfristig kann das dann dazu führen das dein Hund zu dick wird. Auch die prozentuale Aufteilung kann bei „nur ein paar Gramm“ Schwankungen schon deutlich verschoben werden – je nach Futtermenge deines Hundes.

Bei der Planung und beim Futter bestellen solltest du darauf achten, für genug Abwechslung zu sorgen. Dabei ist es z.B. nicht nötig jede Woche drei verschiedene Sorten Muskelfleisch zu füttern. Es reicht, wenn du beispielsweise in einer Woche zwei Sorten fütterst und in der anschließenden Woche eine Sorte tauschst. Also zum Beispiel in einer Woche Rind und Geflügel, in der nächsten Woche Rind und Wild, Wild und Pute und dann das ganze wieder von vorne. Genauso kannst du es mit den Knochen machen.

Um nicht Unmengen von einzelnen Innereien in der Gefriertruhe zu lagern, kannst du auf fertige Innereienmixe zurückgreifen. Achte dabei aber auf die richtige Zusammensetzung der Mixe. Es werden leider viele Mixe verkauft die alles andere als ausgewogen sind. Ich nutze beispielsweise regelmäßig den Rinderinnereien-Mix von Haustierkost. Zwischendurch stelle ich auch eigene Innereinmixe für Yuna her und friere diese in Monatsportionen ein.

Die Planung für das Barfen kleiner Hunde ist aufwändiger als bei großen Hunden. Wenn du diesen Aufwand nicht scheust und deinen Hund möglichst artgerecht ernähren möchtest, steht dem Barfen auch bei kleinen Hunden nichts im Weg.

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